Seit Wochen studiere ich zig Seifenrezepte, schaue mir Videos zum Thema Seifen-Sieden an, habe Unmengen an Zutaten dafür Zuhause und trotzdem traute ich mich nicht drüber. Warum? Diese Natron-Lauge (kurz NaOH genannt), welche ich in der Apotheke gekauft habe, hat sicher auch viel Schuld daran. Die in der Apotheke, wo ich es gekauft habe, machten daraus ja ein wahres Drama. „Was machen sie damit?“ „Haben sie Erfahrung?“ „Das ist hochgefährlich und gesundheitsschädigend!“ „Wissen sie damit umzugehen?“ .. – ähm „NEIN!“ – das habe ich natürlich nicht gesagt 😉

So, aber nun zur Premiere. Die Kinder waren außer Haus (die durften eine super Oma und Opa Zeit genießen inklusiver toller Übernachtungsparty. Weil Mama und Papa ja oft soo streng sind, genießen sie die Großelternzeit ja doppelt 😉 ), die Katzen waren im Garten auf Entdeckungsreise und im Wohnzimmer lief Fußball im TV – somit war der Mann auch beschäftigt 😉 – und die Küche war MEIN. Wie schon öfters erwähnt, bin ich wirklich oft ein Schussel und wenn ich dann diese „hochgiftige Natronlauge“ anrühre, dann möchte ich keinen meiner Liebsten in der Nähe haben. Somit bleibt nur noch eine klitzekleine Restgefahr mich selber zu verletzen – was natürlich nicht vorkommen wird. Denn ich hab ja mindestens 100 Sicherheitsmaßnahmen getroffen, die ich vorher, wie schon erwähnt, einstudiert habe.

Also Safety First!!

Dazu gehören:

  • Brille für die Augen
  • Dicke Gummihandschuhe (keine dünnen Einweg) die weiter rauf gehen
  • Langarm-Shirt und/oder Schürze
  • Mundschutz
  • Ausreichende Belüftung (Fenster, Dunstabzug,…)
  • Alle Zutaten vorab abmessen und bereitstellen (dann braucht man beim rühren nicht hektisch werden)
  • Alles mit Zeitungspapier abdecken
  • Küchenrolle zur Hand haben

 

Das Rezept:

  • 250g Kokosöl
  • 350g Olivenöl
  • 300g Rapsöl
  • 120g Natriumhydroxid (NaOH, erhältlich in der Apotheke)
  • 50g Lavendelhydrolat
  • 210g destilliertes Wasser
  • Einige Tropfen ätherisches Lavendelöl

 

Du kannst natürlich das Hydrolat weglassen und die 50g beim destillierten Wasser ergänzen.
Wie man ein Hydrolat herstellt, kann ich euch hoffentlich Ende Mai / Anfang Juni zeigen, denn ich wünsche mir zum Geburtstag eine Destille. Mal sehen, ob mein Wunsch in Erfüllung geht.
Das Lavendelhydrolat habe ich bei einem Destille-Workshop hergestellt und es riecht einfach phantastisch.

So, aber nun geht’s wirklich los 😉

Alle Öle und Fette kurz im Topf erwärmen, bis diese flüssig sind. Herdplatte abdrehen – Topf beiseite stellen. Jetzt die Natronlauge herstellen. Die destillierte Wassermenge und das Hydrolat stellst du in einem Plastikbecher bereit. In einem zweiten Becher wiegst du dir die genaue Menge (hier wirklich Grammgenau arbeiten!) NaOH ab. Handschuhe, Brille und Mundschutz hast du auf? Spätestens jetzt bitte unbedingt darauf achten! Nun rührst du die Natronkristalle ganz langsam, mit einem Plastikkochlöffel,  in die Wassermenge. ACHTUNG: Niemals das Wasser über die Lauge gießen, stets die Lauge langsam ins Wasser geben und auflösen!!
Die Lauge verfärbt sich etwas, bitte rühren bis diese wieder klar wird. Auf ausreichenden Luftzug achten und die Dämpfe, die hier entstehen, bitte nicht einatmen!
Die Lösung erwärmt sich sehr stark, du wirst es deutlich spüren, wenn du den Behälter berührst.
Hat die Laugenlösung wieder eine etwas klarere Farbe, dann mit dem Stabmixer in das Öl einrühren. Jetzt bildet sich sofort eine milchige Masse, welche unter stetigen rühren immer dicker wird. Hat es eine Puddingartige Konsistenz erreicht ist der Seifenleim „fertig“. Jetzt kannst du ein paar Tropfen ätherisches Öl ergänzen. Nun kannst du die Masse in die vorbereitete Seifenform gießen und mit Frischhaltefolie abdecken. Zusätzlich noch mit einem alten Handtuch oder einer Decke einwickeln und für ca. 12-24 Stunden stehen lassen. Die Verseifung findet in dieser Zeit statt, das heißt, die Öle werden in Seife umgewandelt und durch die chemische Reaktion wird der Laugenanteil nach und nach geringer.
Danach aus der Form nehmen – ACHTUNG! – bitte auch hier noch die Handschuhe anziehen!
Die Seife in Stücke schneiden und wenn gewünscht mit Seifenstempel verzieren.
Die Seifenstücke in eine Schachtel / Box legen, zudecken und noch für ca. 6 – 8 Wochen an einem dunklen, kühlen und durchlüfteten Ort „schlafen legen“. In dieser Zeit werden die Seifenstücke fester und ergiebiger und der Reifevorgang ist abgeschlossen.

Achja, wie habe ich die Farbe nun in die Seife bekommen?

Hierzu habe ich je ca. 2 EL der Ölmischung in 2 Behälter gegeben und mit Seifenfarbe vermischt. Vom fertigen Seifenleim habe ich dann ein wenig in beide Behälter gegeben und gut mit dem Pürierstab vermischt.
Zuerst den ungefärbten Leim in die Form, danach beide gefärbten gleichzeitig mit Schwung Streifenartig dazu. Mit einem Holzstäbchen Muster ziehen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.
Und was sagst du zu meiner ersten Seife? Also, ich bin ja schon ein bisschen stolz darauf. Jetzt wo ich weiß, dass das mit der Lauge ja wirklich keine Hexerei ist, werden ganz viele Seifen folgen. Die nächste möchte ich mit frischen Wildkräutern herstellen.

Ihr findet im Internet noch ganz viele Rezepte und jeder wird vielleicht eine etwas andere Vorgehensweise anführen. Die oben genannte, ist meine ganz persönliche, so wie ich es gemacht und für mich als Richtig befunden habe.

Alles Liebe.
Eure Judith.
Kräuterkörbchen.